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Entwurf für ein Haus im Berg

Hanggrundstücke erfordern eine sehr sorgfältige Setzung der Gebäudekörper.

Die Architektursprache dieses Entwurfs kommt ohne explizite Ornamente aus. Um dennoch die Baukörper nicht flach und spannungsfrei aussehen zu lassen, steht die gestalterische Auseinandersetzung mit der Plastizität der Volumina bei diesem Entwurf im Mittelpunkt. Nur so ist auch die Auflösung des Gesamtvolumens in die drei gestaffelten Teile hier – linker Flügel, rechter Flügel und Terrassensockel – zu verstehen.

Zwei „L“- förmig zueinander gestellte Baukörper schieben sich in den Hang hinein, als ob sie sich dem abwärtsweisenden Erdruck entgegenstemmen. Alles strebt dem Kreuzungspunkt der beiden Baukörper entgegen, hier fließen alle Kräfte zusammen. Sogar die Zuwegung zum Haus strebt diesem Punkt entgegen. Der Hauseingang befindet sich in diesem Zentrum, quasi im Schoß des Gebäudes.

Die lose Anordnung der Fenster auf den Längsseiten der Gebäudeflügel unterstreicht diese horizontale Dynamik. Im Kontrast dazu die ruhenden Positionen der Fenster auf der Schmalseite. Dieses Bild spielt mit dem Motiv einer Schnittfläche. Die horizontal ins Unendliche strebenden Körper sind bildhaft gesprochen „nur unterbrochen“ oder „aufgeschnitten“. Hier kann man in das Innere der Körper hineinsehen.

Die so gewählte Anordnung am Hang lässt die Hauptansicht von der Straße besonders repräsentativ erscheinen. Ist das Haus im Grunde doch nur zweigeschossig, suggeriert diese Ansicht ein viel größeres, dreigeschossiges Gebäude. Dieser Eindruck wird noch zusätzlich durch die schwach gegen den Hang geneigten Pultdächer untermalt. Das Haus bekommt sowohl von außen wie von innen den Charakter eines Guckkastens, eines Belvederes, der nach hinten schmal und geduckt gehalten Schutz für den freien und ungestörten Blick über das tiefer liegende Tal bietet.

Im Sockelbereich betont die kaskadenförmig angelegte Terrasse auf dem Untergeschoss diese dem Ausblick dienende Geste. Hier auf dem äußersten Vorposten des Gebäudes bietet es sich an, einen Abend draußen zu verbringen – durch das nach vorne drängende Untergeschoss und die massive, gemauerte Brüstung vor störenden Einblicken von der Straße hinauf geschützt.

Der Eingang ist bewusst nicht Teil des Wohngeschosses. Man betritt in dem vergleichsweise spärlich beleuchteten Untergeschoss das Haus und erklimmt tief im inneren des Gebäudes das lichtdurchflutete Erdgeschoß. Das Hangerlebnis setzt sich im Inneren des Hauses fort.

Im Erdgeschoß ist die Treppenanlage freigestellt. Sie steht frei im Raum und erhält so einen objekthaften Charakter. Die so vollzogene Raumteilung schafft eine Zonierung, eine eindeutige Zuweisung für den Raum der Küche, ohne dabei den großzügigen Gesamtraum zu Gunsten von kleinen, separierten Zimmern aufzugeben. Es ergibt sich ein Umlauf, der zwar rechnerisch Wohnfläche raubt, aber mit geringen Mitteln durch die mehrfache Erschließung ein vielfältiges Raumerlebnis erzeugt.